VORMITTAGSBLOCK
Samstag – Freitag: 10.30 – 12.10 Uhr
103 | IMPLIZITE KOMMUNIKATION, BEZIEHUNGSERFAHRUNG
UND VERÄNDERUNG IN DER PSYCHOTHERAPIE
Leitung: Stephan Doering
Veränderungsprozesse in der Psychotherapie sind wesentlich mit der Erfahrung in der therapeutischen Beziehung verknüpft (die sogenannten „unspezifischen Faktoren“ in der Psychotherapie). Veränderung setzt etwas mehr als die Deutung voraus, nämlich einen „Moment der Begegnung“ (Daniel Stern). Gut erforscht ist die nonverbale Kommunikation, insbesondere die Interaktion mittels mimischen Affektausdrucks. Aber auch die Geräusche des Körpers sowie die unbewusste Geruchswahrnehmung lassen auf dem Weg komplexer Resonanzprozesse (z.B. über Spiegelneurone) implizite Beziehungserfahrungen (Ed Tronick) stattfinden, die den Schlüssel zum Verstehen des anderen liefern.
Bewährte psychoanalytische Konzepte wie Übertragung, Projektive Identifizierung und Containment erhalten angesichts der neurobiologischen und mikro-psychologischen Forschungsergebnisse eine Bestätigung und eine erweiterte Bedeutung. Die Integration empirischer Befunde zu nonverbalen Kommunikationsprozessen mit heuristischen Konzepten mündet in ein neues Verständnis von einem impliziten Veränderungsprozess in der Psychotherapie, der erst am Ende in explizites Verstehen mündet, für das Symbolisierung, Verbalisierung und Deutung stehen.
Literatur: Stephan Doering, Resonanz – Beziehung – Verstehen (Stuttgart, Klett-Cotta, 2022)
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